• 12. CIS Controlling Insights Steyr 2013

12. CIS Controlling Insights Steyr 2013

von Mario Rosenfelder

22.11.2013
Steyr
Die Österreich-Controlling-Tagung des ICV

Letzten Freitag war es wieder soweit: das österreichische TOP Ereignis für Controller, das 12. CIS Controlling Insights Steyr fand in gewohnter Weise im Museum Arbeitswelt Steyr statt. Für alle Controllerinnen und Controller, die nicht dabei waren, habe ich einige Eindrücke festgehalten:

Eingangs wurde von Hr. Professor Losbilcher der neue "Leitfaden für die nachhaltige Optimierung von Vorräten, Forderungen und Verbindlichkeiten - Working Capital Management" des ICV vorgestellt, den man übrigens direkt bei Amazon erwerben kann. In der Eröffnungsrede von Hr. Prof. Losbichler wurde die Frage aufgeworfen, welche Instrumente brauchen wir im Controlling und zur Unternehmensführung in einem volatilen Umfeld, wie es seit der durch den Zusammenbruch von Lehman Brothers ausgelösten Krise vorfinden? In weiterer Folge wurde diese Frage von den unterschiedlichen Vortragenden jeweils aus deren individueller Sicht beantwortet. Herr Mag. Patrick Prügger von der B&C Industrieholding GmbH, welche Mutter so bekannter Unternehmen wie der Lenzing AG, der Semperit AG Holding, der AMAG Austria Metall AG oder der VA Intertrading AG ist, referierte über das Beteiligungscontrolling bei B&C und ging dabei auf die Erfolgsfaktoren für Kapitalbeteiligungsgesellschaften ein. Er erklärte, dass das Unternehmen einen eigenen Prozess für die effiziente Vorauswahl von potentiellen Beteiligungsunternehmen entwickelt hat. So wird auf Basis von 15-16 Kriterien bereits eine Basisklassifizierung vorgenommen. Bereits in dieser frühen Phase der Auswahl von potentiellen Portfoliounternehmen wird bereits das strategische Risiko analysiert. Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass das Unternehmen versucht sowohl die Risiken der einzelnen Unternehmen als auch die Risiken der Holding zu quantifizieren und zu aggregieren. Entsprechend den Ausführungen von Hr. Prügger werden dazu umfassende Monte-Carlo-Simulationen erarbeitet. Für mich besonders interessant war die Tatsache, dass hier seitens der B&C offensichtlich sehr  umfassend mit statistischen Methoden gearbeitet wird und umfassende Modelle zur Wahrscheinlichkeitsrechnung im Einsatz sind.

Neben einem weiterem Vortrag zum Thema: Zentralisierung im Controlling - Fluch oder Segen? von Kai Droge, BMW Motoren GmbH, fand ich den Vortrag von Dr. Johannes Lattwein von der Porsche AG aus Stuttgart besonders interessant. Er erkläre wie bei der Porsche AG direkte und indirekte Liquiditätsplanung dahingehend zusammenspielen, dass für die kurzfristige Liquiditätsplanung mit einem Zeithorizont bis zu 90 Tagen eine direkte Finanzplanung und für die längerfristigen Liquiditätsplanung ein indirekter Finanzplan erstellt wird und wie es so möglich ist aus beiden Methoden das beste abzuschöpfen. Er hat auch hervorgehoben, wie wichtig es ist, im Rahmen der Liquiditätsplanung, vor allem aber bei der kurzfristigen Liquiditätsplanung über eine Schnittstelle direkten Zugang zu den operativen Systemen zu haben. Darüber hinaus ist er auf die Bedeutung der Kennzahl Days working Capital (DWC) für das Unternehmen und deren Berechnung eingegangen.

Die Kennzahl Days Working Capital (DWC) misst die durchschnittliche Kapitalbindngsdauer, die Cash-to-Cash-Cycle-Time (C2C) oder die Cash Conversion Rate in Tagen. Diese ist ein Ausdruck für die Geschwindigkeit, mit der ein Unternehmen Liquiditätsabfluss in Liquiditätszufluss umwandelt und gibt an, wie viele Tage Umsatz im Unternehmen vorfinanziert werden muss. Bei der Interpretation sind branchen- und länderübliche Besonderheiten zu beachten.

Nach dem Mittagessen gab es einen weiteren spanenden Vortrag von Frau Dr. Martha Oberndorfer CFA, MBA von der Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur. Sie erläuterte ausführlich wie das Treasury der Republik Österreich funktioniert und das sich Österreich aufgrund des im internationalen Vergleich relativ kleinen Finanzierungsbedarfs und des noch immer guten Ratings, relativ einfach finanzieren kann. Sie ist verantwortlich für die Finanzierung von rund 190 Mrd. Euro an Staatsschulden mit einem jährlichen Zinsaufwand von ca. 7 Mrd. Euro, die primär über Bundesanleihen finanziert wird. Sie finden übrigens hier eine kostenlose Bundesanleihenbroschüre,  in der einiges an Basiswissen zu Anleihen vermittelt wird und in weiterer Folge auf die Vorteile der österreichischen Bundesanleihen eingegangen wird.

Aber nicht nur spannende Vorträge wurden gehalten, auch eine Podiumsdiskussion unter dem Titel: "CONTROLLING FÜNF JAHRE NACH DER KRISE - LEHREN FÜR DIE UNTERNEHMENSSTEUERUNG VON MORGEN" wurde den Teilnehmer geboten. Im Rahmen der Diskussion wurde sichtbar wie unterschiedlich stark die Unternehmen der einzelnen Diskutanten von der Finanzkrise und deren Auswirkungen auf die Realwirtschaft getroffen wurde.

In Summe eine gelungene Veranstaltung, die ich auch für das nächste Jahr nur weiterempfehlen kann!

Mit freundlichen Grüßen und vielleicht schon bis bald

Ihr Mario Rosenfelder

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